Stadtklimaanalyse Groß-Gerau: Offene Fragen zu Datengrundlagen und Modellierungen
Hitzeaktionsplan (DS-Nr. 15/2026)
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Zusammenhang mit der Stadtklimaanalyse 2024 des Kreises Groß-Gerau sowie dem darauf aufbauenden Hitzeaktionsplan (DS-Nr. 15/2026) für Bischofsheim haben ich in den vergangenen Tagen einen ausführlichen Schriftwechsel mit dem zuständigen Dezernenten in Groß-Gerau, Herrn Oyan, geführt.
Im Verlauf dieser Korrespondenz wurden aus meiner Sicht mehrere fachlich und politisch relevante Punkte deutlich, die für die öffentliche Diskussion von erheblicher Bedeutung sind.
So wurde seitens des Kreises ausdrücklich bestätigt,
🔵dass die Analyse modellgestützte Verfahren verwendet,
🔵dass interpolierte Datensätze eingesetzt werden,
🔵dass unterschiedliche Klimaszenarien berücksichtigt wurden,
🔵und dass dabei unter anderem auch das inzwischen wissenschaftlich zunehmend kritisch diskutierte Hoch-Emissionsszenario RCP8.5 verwendet wurde.
Gleichzeitig wurde jedoch ebenso ausdrücklich erklärt, dass:
🔵„… eine vollständige wissenschaftlich-technische Dokumentation sämtlicher Rechen-, Interpolations- oder Modellierungsschritte öffentlich nicht Gegenstand der Unterlagen oder der Informationsveranstaltung ist.“
Damit stellt sich aus meiner Sicht eine zentrale Frage:
Wie belastbar und nachvollziehbar sind konkrete lokale Aussagen und daraus abgeleitete planerische Schlussfolgerungen, wenn die zugrunde liegenden lokalen Modellierungs- und Berechnungsparameter öffentlich gerade nicht vollständig offengelegt werden?
Bis heute bleibt insbesondere offen:
🔵welche konkreten Messpunkte beziehungsweise Messstationen den Aussagen für Bischofsheim zugrunde liegen,
🔵welche Aussagen unmittelbar gemessen wurden,
🔵welche Aussagen auf modellierten beziehungsweise interpolierten Rasterdaten beruhen,
🔵sowie welche Unsicherheiten und Bandbreiten bei kleinräumigen Projektionen bestehen.
Die grundsätzliche Diskussion über sommerliche Wärmebelastungen im Rhein-Main-Gebiet steht dabei ausdrücklich nicht im Mittelpunkt meiner Nachfragen. Vielmehr geht es um Transparenz, methodische Nachvollziehbarkeit und die Frage, auf welcher konkreten Datengrundlage kommunale Planungen und mögliche langfristige Investitionsentscheidungen getroffen werden sollen.
Da klimabezogene Maßnahmen zunehmend Auswirkungen auf kommunale Planung, Infrastruktur und Haushalte haben, halte ich eine transparente Offenlegung der zugrunde liegenden Datengrundlagen und Modellannahmen für unverzichtbar.
Gerne stelle ich Ihnen die Korrespondenz auf Wunsch zur Verfügung.
Mit herzlichen Grüßen aus Bischofsheim